Erstes Mal Wwoofen: eine reine Katastrophe

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Erstes Mal Wwoofen: eine reine Katastrophe

Beitrag von DonauIndianer am Mo Sep 12, 2016 6:32 am

Hallo, wir (Mann, Frau und 2 Kinder im Grundschulalter) waren letztes Wochenende das erste Mal Wwoofen auf einem als kinderfreundlich angegebenen Hof in Oberbayern. Wir hatten unseren Besuch eine Woche vorher per Email und telefonisch mit der Eigentümerin verabredet- Auch einen Tag vor unserer Anreise fand noch einmal telefonisch eine Bestätigung statt. Dann am Morgen des Anreisetags - ich befand mich bereits mit Kind und Kegel auf der Autobahn - rief die Hofdame an und erklärte uns, dass wir lieber doch nicht kommen sollten, weil sie kein Zimmer für unsere Unterkunft hätte und auch keine Zeit, um uns Malzeiten anzubieten. Sie sagte auch, dass sie derzeit zwei junge Damen als Wwoofer bei sich hätte, die sich nicht an der Hofarbeit beteiligten, ihren Hof nur als kostenloses Urlaubshotel benutzten, und sich nicht an den zeitlichen Ablauf im Hof hielten. Ich sagte ihr dann, dass sie mit ihrer Absage reichlich spät kommt - es waren nur noch ca. 30 Minuten bis zu unserer Ankunft. Da sie mit den beiden anderen Wwoofern offensichtlich im Klinch ist, versicherte ich ihr, sie brauchte sich unsbezüglich da keine Sorgen machen. Wir wollen nur ihren Hof wenigsten einmal kennenlernen, jetzt wo wir schon alles vorbereitet hatten, und auch fast schon da wären. Im Notfall könnten wir uns auch selbst versorgen und im eigenen Zelt schlafen. Mir ging es da vor allem um die Kinder, die sich schon die ganze Woche über darauf gefreut hatten, mal aus der Stadt raus zu kommen. Ich wollte sie nicht enttäuschen, indem ich einfach wieder zurück nach Hause fahre.

Dann am Hof angekommen, war die Dame tatsächlich etwas im Stress, und wir fragten, ob wir helfen können. Ich habe daraufhin dem Stallburschen beim Ausmisten des Stalls geholfen, und meine Frau fing an, im Garten Unkraut zu beseitigen. Der Stallbursche war dann schneller fertig und konnte andere Dinge erledigen, die sonst wohl liegen geblieben wären. Auch die Dame des Hauses war sichtlich froh über die Entlastung und verließ mit den beiden anderen Wwoofern in ihrem Auto den Hof. Mittags haben wir uns dann auf der Wiese selbst etwas gekocht. Wir hatten unser Campinggeschirr und auch ein paar Lebensmittel im Kofferraum dabei. Der Stallbursche war über Mittag weg, und auch die beiden Wwooferinnen waren ja nicht anwesend. Daher gab es kein Mittagessen auf dem Hof.

Am Nachmittag war die Besitzerin wieder zurück und ich und meine Frau haben dann den Garten und das kleine Gewächshaus der Dame sauber gemacht, Laub zusammen gerecht, Wurfholz und Fallobst aufgesammelt, Pflanzen bewässert, einen Komposthaufen besser aufgeschichtet, und diverse andere herumliegende Dinge wieder schön und niedlich in Ordnung gebracht. Das hat die Dame dann auch gelobt. Wir haben uns dann am späten Nachmittag auf unsere Abreise vorbereiten wollen. Angesichts dessen und angesichts unseres Einsatzes hat sie uns dann doch zu bleiben eingeladen und uns sogar ein Zimmer zum Schlafen angeboten. Leere Zimmer waren im Haus reichlich vorhanden. Ein Platzmangel bestand auf keinen Fall, wie sie es am Morgen noch behauptet hatte. Ein Abendessen gab es aber nicht, und wir haben wieder für uns selbst im Freien gekocht. Auch am nächsten Tag gab es kein Frühstück und auch kein Mittagessen. Nicht einmal eine Zuchini oder Tomate aus dem Garten wurde uns zur Bereicherung unserer selbstgekochten Malzeiten angeboten. Ich kam mir sogar schon fast ein bisschen dumm vor, weil ich sie mal um ein Streichholz für den Spirituskocher beten musste, und sie wollte dann auch noch wissen, wofür ich es brauche, bevor sie es mir gab. Was tut man wohl mit einem Streichholz ... das Haus anzünden? ... Weil ich aber nicht gerne mit halb verrichteter Arbeit gehe (so bin ich halt erzogen) haben wir unsere Arbeit im Garten noch bis zum frühen Nachmittag fertig gemacht. Der Garten war ziemlich groß und hat wohl schon seit sehr langem keine Pflege mehr erfahren. Es standen auch allerlei halb verrottete Gartenmöbel jenseits der Reparaturschwelle herum, und gebrauchte Arbeitssocken lagen zwischen den Blumentöpfen. Ich habe mich dann am späten Nachmittag noch etwas um einen älteren Herrn gekümmert, der neu angekommen war - offensichtlich ein langjähriger Freund des Hause. Sie hatte ihn aufgefordert, ihr bei der Stallarbeit zu helfen, obwohl der Mann erschöpft von der Reise und auch sichtbar gehbehindert war. Am Abend sind wir dann abgereist und total erschöpft und hungrig wie die Wölfe zu Hause angekommen. Wir mussten ja ohne ein Abendessen losfahren, weil es schon zu spät zum Kochen im Freien war.

Also, ich muss schon sagen: das war eine Katastrophe! Da dies unsere erste Erfahrung bei Wwoof war, sind wir nun schwer enttäuscht und fragen uns, ob wir das jemals wieder machen wollen. Das haben wir nicht erwartet, dass sich da jemand mit schwerem Arbeitseinsatz helfen lässt, ohne wenigstens eine Malzeit anzubieten. Das macht man schon unter Nicht-Wwoofern nicht, aber diese Frau hat sich da auch nicht an die Wwoof-Regeln gehalten. Ich habe viele Jahre in sogenannten Entwicklungsländern verbracht, wo mir selbst die Ärmsten der Armen, wenn es ihnen irgendwie möglich war, ihre Gastfreundschaft zeigten und mich zum Essen einluden, wie kärglich das auch immer aufgrund der Umstände ausgefallen sein mag. Und wenn einer sich den ganzen Tag nützlich gemacht hatte, dann war das ohnehin keine Frage, dass der sich auch wenigstens ein Essen verdient hat. Das versteht sich irgendwie von selbst, oder? Es wäre beschämend für den Gastgeber gewesen, wenn er dies nicht getan hätte.... nun, von einer Großgrundbesitzerin im wohlhabenden Deutschland, die in einem riesengroßen Haus mit vollen Kühlschränken wohnt, hätte ich so ein armseliges Verhalten nicht erwartet. Da sieht man mal wieder, dass Reichtum den Charakter der Menschen verdirbt.

Ausserdem fand ich den Hof auch nicht besonders kinderfreundlich, obwohl er in der Suchmaschine so ausgewiesen ist. Die Kinder wurden ständig zurecht gewiesen, obwohl sie keine Seele störten. Mein Sohn hatte einmal eine kleine Maus aus den Fängen der Hofkatze gerettet. Er ist sehr tierlieb und hätte der Maus bestimmt nicht weh getan. Die musste er aber unverzüglich im angrenzenden Feld freisetzen, bevor er sich mit der Maus anfreunden konnte. Die Maus selbst war augenscheinlich unbesorgt über die neue Bekanntschaft. Am nächsten Tag hatten die Kinder auf der Wiese dann einen kleinen Igel gefunden, den die beiden nur auf der Wiese sitzend anguckten. Auch den hatte die Dame des Hause dann sofort weg genommen. Dieser solle in Ruhe gelassen werden - er sei schließlich der "Hof-Igel" - Hääh? Er war allerdings noch zu jung, um zu dieser Ehre eines Hof-Igels gekommen zu sein. Wie bitte schön sollen Kinder den Umgang mit Tieren erlernen, wenn man ihnen dazu keine Möglichkeit lässt? Also in punkto Kinderfreundlichkeit gebe ich da nur einen von fünf Punkten, besser noch gar keinen. Auch bezüglich anderer Themen fand ich die Dame oft sehr negativ eingestellt: Tierschützer seien Idioten, Veganer seien Idioten, Politiker seien Idioten, Buddhisten seien Idioten, also praktisch mindestens die halbe Welt sei schlecht und hirnlos .... nur sie selbst sei so ein Engel, weil sie sich mit so viel Herz um ihre Tiere auf dem Hof kümmere. Vor den Tieren soll man schließlich auch Respekt haben. Klar, versteht sich von selbst. Aber ääh .... wie sieht das dann bitte mit dem Respekt vor den Menschen aus? Na ja ... was soll man da sagen? Einbildung ist auch eine Bildung ???

Ich will jetzt hier keine Namen nennen, damit man mich nicht der üblen Nachrede bezichtigt. Wenn sich die Dame jetzt freiwillig auf diesen Beitrag meldet, ist das ihre Entscheidung, ihre Identität preis zu geben. Soviel steht fest: Ich persönlich gehe da nie - NIE - wieder hin, und ich rate jedem anderen dringlich davon ab. Eigentlich wäre die Dame meiner Meinung nach jetzt regresspflichtig, weil sie sich nicht an die Wwoofer-Regeln gehalten hat. So eine Reise braucht schließlich Vorbereitungen und ist mit Ausgaben verbunden. Das Benzin regnet auch nicht vom Himmel. (Ein anderer Wwoofer hätte sich schon sein Bahnticket gekauft, bevor er die Absage bekommt, und müsste dann im vielleicht in einem teuren Hotel schlafen.) Aber ich will mich nicht auf eine Schlammschlacht mit einer so negativen Person einlassen. Da ist mir der Seelenfrieden lieber und ich stecke das jetzt halt weg. Diesen Forumsbeitrag schreibe ich nur, um meinem Frust ein Ventil zu geben, und um die Blamage vor meiner Frau zu verdauen - schließlich war es meine dumme Idee, mich auf's Wwoofen einzulassen. Vielleicht nimmt es der eine oder andere, der dies liest, ja auch als Warnung, um sich anders als ich selbst vorher besser zu erkunden bevor sie/er sich in den Zug oder ins Auto setzt. In diesem Fall ist die Hofbeschreibung nur eine Beschönigung, wo nicht viel dahinter ist. Diese Frau sucht nur Leute, die auf eigene Kosten umsonst bei ihr arbeiten. Der Rest sind Lügen und Halbwahrheiten. Also besser die Finger davon weglassen - ganz besonders wenn Kinder in diesen Schlamassel noch mit reingezogen werden.

Herzliche Grüße frohes Wwoofen Rolling Eyes

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Re: Erstes Mal Wwoofen: eine reine Katastrophe

Beitrag von Admin am Mo Sep 12, 2016 1:14 pm

Liebe Familie,

Dankeschön für euern Erfahrungsbericht. Die geschilderten Umstände sind sehr schade und für einen WWOOF-Hof nicht akzeptabel. Bitte schreibt doch an kontakt@wwoof.de (mit WWOOF in der Betreffzeile) mit Bezug zu dem Forumseintrag und nennt den entsprechenden Hof. Wir nehmen mit dem Hof Kontakt auf und fragen nach, um die Gründe für das Verhalten zu erfahren. Grundsätzlich ist wwoofen eine schöne Erfahrung, es gibt viele sehr schöne Höfe und nette/empathische Höflerinnen und Höfler. Daher noch einmal Danke für den Bericht, ohne eine Rückmeldung erfahren wir sonst nicht von guten und nicht so guten Aufenthalten. Wir kümmern uns und hoffen, dass ihr einen zweiten Versuch startet, es lohnt sich.

Viele Grüße
admine

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Re: Erstes Mal Wwoofen: eine reine Katastrophe

Beitrag von DonauIndianer am Mo Sep 12, 2016 7:25 pm

Danke admine, für die Rückmeldung. Ich habe soeben meine Email wie Sie vorgeschlagen haben an WWOOF abgeschickt.

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Re: Erstes Mal Wwoofen: eine reine Katastrophe

Beitrag von Jan am So Okt 02, 2016 11:16 am

Hallo,

danke an den Donauindianer, dafür dass er sich mit uns in Verbindung gesetzt hat.

Es ist gut, wenn das Forum für Erfahrungsaustausch Verwendung findet, im Fall von Beschwerden ist es uns wichtig, uns im Einzelfall mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen und das geht nur im persönlichen Kontakt.

Der betreffende Hof wurde früher dieses Jahr von Patrick aus unserem Team besucht, um über die Aufnahme in die Hofliste zu entscheiden. Da alle grundsätzlichen Bedingungen erfüllt gewesen sind und die Höflerin Interesse an Aufenthalten mit bedingungsloser Freiwilligkeit hatte, wie wir sie in unseren Mitgliederpflichten formuliert haben ( https://www.wwoof.de/index.php?article_id=135&clang=0 ), wurde der Hof aufgenommen.

Seitdem haben mehrere WWOOF-Aufenthalte dort stattgefunden, die Beschwerde von Donauindianer ist die erste, die uns über diesen Hof erreicht hat.
Ich habe daraufhin mit der Höflerin telefoniert. Es ist unsere grundsätzliche Herangehensweise, die Argumente beider Parteien anzuhören. Es geht dabei nicht darum zu entscheiden, wessen Perspektive im Recht und welche im Unrecht ist. WWOOFer, HöflerInnen und WWOOF-Organisation haben ein gemeinsames Interesse, WWOOF-Aufenthalte gelingen zu lassen. Also ist es unsere Aufgabe einzuschätzen, welche Reaktion von uns als WWOOF-Organisation auf bestimmte Vorkommnisse gefragt ist. Das kann heißen Mitglieder auszuschließen (passiert 4-5 Mal im Jahr), möglicherweise auch Mitglieder auszuschließen, bis sie bestimmte Kriterien erfüllen können.
Im Fall von Gefahr im Verzug können Höfe/ WWOOFerInnen auch auf der Stelle ausgeschlossen werden. Evtl. entscheiden wir uns sogar dazu, Warnungen vor bestimmten Personen auszusprechen.
Ganz grundsätzlich haben wir die Regel getroffen, dass Höfe spätestens nach 3 Beschwerden offline gesetzt werden.

Generell versuchen wir Hinweise zu geben, wie WWOOF-Aufenthalte in Zukunft besser laufen können. So auch in diesem Fall. Der Hof ist das erste Jahr bei WWOOF und sammelt erste Erfahrungen. Was den Inhalt der Hofbeschreibung, die Planung vor einem Aufenthalt und die Kommunikation vor Ort anbelangt, haben HöflerInnen Einiges in der Hand, womit sie den WWOOF-Aufenthalt gelingen lassen können.

Im hier behandelten Fall war der WWOOF-Aufenthalt vorher (kurzfristig) abgesagt gewesen. Das galt es bei unserem Austausch zu beachten. Wir haben uns nach dem Telefongespräch entschieden, den Hof in der Liste zu belassen.

Jan vom WWOOF-Team

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Re: Erstes Mal Wwoofen: eine reine Katastrophe

Beitrag von DonauIndianer am So Okt 02, 2016 12:06 pm

Das mit der Absage finde ich etwas unpassend. Eine Absage 30 Minuten vor dem Eintreffen? Kann ein Hof dann auch noch bei Ankunft absagen?





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